Home > Kultur > "ANGST_ESSEN" auf der Bühne
Die Studiobühne zu Gast im HochX

"ANGST_ESSEN" auf der Bühne

Autor(en): Katharina Sartisson am Donnerstag, 9. Februar 2017
Tags: , , , , ,
Quelle: Nikita Gibalenko

Das Bühnenbild steht.

Vom 10.-12. Februar ergründet ein junges, ambitioniertes Künstler-Ensemble den Ursprung unserer Ängste und bringt sie auf die Bühne.

„Ein unvollständiger Mensch. Ein Stück Bevölkerung, das moralische, menschliche, ästhetische Mängel aufweist."  (Auszug aus dem Stück)

Es gibt viele Dinge, die uns menschlich machen. Wir lachen, wir weinen, wir demonstrieren Stärke, wir zeigen hin und wieder Schwäche, wir sind mutig - und dann gibt es auch Momente, in denen sind wir ängstlich. Während Menschen in Krisenländern um ihr Leben fürchten müssen, äußert sich die Angst in unserer Gesellschaft überwiegend in sozialer Hinsicht. Wir stehen unter enormen Leistungsdruck, der uns antreibt, alles zu geben was wir haben, - auch wenn das in den meisten Fällen eh nicht genug ist. Es gibt schließlich immer jemanden, der schneller, besser und effizienter ist. Wir hinterfragen unsere Entscheidungen, denn es gibt eindeutig viel zu viele Optionen. Und man möchte sich ja bloß nicht festlegen, denn es könnte im nächsten Moment etwas besseres um die Ecke kommen. Alles und jeder ist austauschbar, was uns wieder dazu führt unseren eigenen Selbstwert anzuzweifeln und uns die Frage zu stellen, ob man als Individuum genügt.

Isolation und soziale Ausgrenzung als großes Gefahrengut

Gleichzeitig ist der Konsum niemals genug und man selbst, nach jeglicher materieller Aufrüstung, am Ende des Tages mehr als unbefriedigt. Das Ego schreitet auf einen Horizont zu, der sich darauf beschränkt, mehr und mehr Aufmerksamkeit zu generieren. Unter dem Mantel der sozialen Medien versucht man das eigene Ich aufzuwerten. Während wir immer mehr Konzentration abgeben, versuchen wir gleichzeitig Aufmerksamkeit auf uns zu konzentrieren. Denn die wenigsten möchten am Ende des Tages einsam sein. Es gibt unendlich viele Formen der Angst. Doch wie kann man ihr Ausdruck verleihen?

„Wenn du Angst empfindest, aber nicht weißt wo sie herkommt, ist sie trotzdem da.” (Regisseurin Gina Penzkofer)

Zwei junge Regisseurinnen haben sich diesem Thema gestellt und bringen in einer bunten Collage aus alltäglichen Schamsituationen, verschiedenste Ängste auf die Bühne. Die Theaterwissenschaftlerinnen Elisabeth Mascha und Gina Penzkofer kennen sowohl die Arbeit hinter, als auch auf der Bühne. Was, wie in den meisten Fällen, zunächst als Schnapsidee seinen Anfang genommen hat, entwickelt sich schnell zu einem langfristigen Gesamtkunstwerk. Eli, die wie Gina u.a. im Rahmen der Studiobühne vielseitig in der freien Szene mitwirkt, hat das Stück geschrieben. Vorlage für den Titel bot ihr Fassbinders „Angst essen Seele auf”. Als sie Gina, die Idee vorstellte, war diese sofort an Bord.


© Jean-Marc Turmes

Seit Oktober 2016 arbeiten sie gemeinsam mit zehn talentierten und äußerst fitten Darstellern aus der freien Szene an diesem Projekt. Im Zentrum des Stücks liegt die Erarbeitung der Angstbewegung, die durch ein Frage-Bewegungsspiel, entstanden ist und verschiedene Ausdrucksweisen gefunden hat. „Wir haben unsere Darsteller gefragt, wie sich Angst für sie anfühlt [...], wie, wenn das Blut zusammenstockt oder [...], wenn man keine Luft mehr bekommt [...] und aus diesen persönlichen Gefühlen kamen diese äußerlichen Bewegungen.”, erklärt Gina. Pulsierende und elektronische Klänge, die von einem Live-Schlagzeug begleitet werden, untermalen dabei die gesamte atmosphärische Szenerie.

Theater der Konfrontation

Wer mit einem klassischen Theaterstück rechnet, wird hier auf jeden Fall vor den Kopf gestoßen. Den Zuschauer erwartet eine zum Teil diffusive Konstruktion aus fragmentierten Themenkomplexen, die sich rund um die Angst rotieren. Körperlichkeit, Musik und Bewegung stehen im Mittelpunkt des Stücks. Mit ungehemmten und lebhaften Dialogen wird Angst in ihrer Lächerlichkeit zur Schau gestellt, ohne dabei den notwendigen Tiefgang zu verpassen. Ehrliche und reale Schauspieler verleihen dem Stück das Gefühl der Authentizität. Die Regisseurinnen und die Darsteller zeigen, dass es durchaus in Ordnung ist Angst zu zeigen und, dass nicht immer darum geht, sie zu vernichten, sondern zu lernen, mit ihr umzugehen. Regisseurin Eli beschreibt das Stück „[...] wie eine Akne-Behandlung. Man sucht immer wieder ein Hilfsmittelchen dagegen, vielleicht funktioniert’s nicht, aber man muss es trotzdem irgendwie ausprobieren.”

 

© Jean-Marc Turmes

Wer das dynamische Zusammenspiel nicht verpassen möchte, sollte vom 10.-12. Februar im HochX Theater und Live Art vorbeischauen. Kartenreservierung und alle weiteren Infos zur Inszenierung und den Mitwirkenden findet ihr unter: www.angstessen.com

Bildergalerie
13213
Platte des Monats

Conor O'Brien zeigt mit The Art of Pretending to Swim, dass Indie-Folk auch im Jahr 2018 noch spannender klingen kann, als man das von diesem Genre erwartet hätte. Das vierte Album der Villagers vereint, was eigentlich widersprüchlich wirkt: Folk mit R'n'B und Experimentierfreude mit Zugänglichkeit. 

mehr
M94.5 präsentiert
Donnerstag, 18. Oktober, 18 Uhr
M218 LMU Hauptgebäude
 
Munich Rocks!
Donnerstag, 18. Oktober 2018
 
Freitag, Samstag: 19./20. Oktober
 
Neuhauser Musiknacht
Samstag, 27. Oktober 2018
M94.5 Bühne @ Freiheizhalle

 

mehr
M94.5 auf Youtube

Der M94.5-Newsletter
Du willst regelmäßig News von M94.5? Dann musst nur deine E-Mail-Adresse angeben! Keine Angst, wir spamen deinen Posteingang auch nicht voll.
 
 
Die afk Familie