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M94.5 Filmkritik

Gaza Surf Club

Autor(en): Nina Mohs am Mittwoch, 29. März 2017
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Quelle: ©Little Bridge Pictures Niclas Reed Middleton

Die jungen Surfer am Strand Gazas

Mit "Gaza Surf Club" kreiert Philip Gnadt jetzt schon eine der berührendsten Dokumentationen des Jahres - und das, ohne auf die Tränendrüse zu drücken.

Ganz ohne Gewalt zu zeigen, schafft es der Regisseur, die Hoffnungslosigkeit und Sehnsucht einer geprägten Jugend in Gaza darzustellen. 

Mit dem Surfbrett in die Freiheit

"Gaza Surf Club" ist nicht nur der Titel der Dokumentation, sondern auch der Traum der Protagonisten. Der Film begleitet mehrere junge Erwachsene, die den Surf-Sport in ihrer Stadt etablieren wollen, obwohl das Surfen am Gazastreifen eigentlich verboten ist. Aber nicht nur das. Es geht auch um eine junge Generation, die eingesperrt zwischen Israel und Ägypten und umgeben von radikaler Politik und religiösem Fatanismus ist. Der Sport ist dabei ihre ganz eigene Rebellion und verschafft ihnen das Freiheitsgefühl, nach dem sich alle anderen so sehr sehnen.  

Philip Gnadt schafft es, mit natürlichen Bildern genau dieses Gefühl zu transportieren. Die jungen Männer surfen zwar vor dem Hintergrund einer zerstörten Stadt, dies steht jedoch nicht im Mittelpunkt: Packend sind vor allem die Aufnahmen von den Sportlern im Meer. Für kurze Momente scheint es, als verbrachten die Surfer eine ganz normale Jugend. 

Die Sehnsucht in der Hoffnungslosigkeit

Die Geschichte dreht sich zwar um den Traum vom eigenen Surfclub, aber "Gaza Surf Club"  schafft es in kurzen Gesprächen mit den Protagonisten, das eigentliche Problem herauszuarbeiten. Die Gesellschaft ist so geprägt von Hoffnungslosigkeit, dass es der jungen Generation schwer fällt, sich ihre Sehnsüchte zu erhalten.

Auf der einen Seite steht der Wunsch nach Reisen und dem Ausweg aus der Blockade. Auf der anderen Seite thematisiert der Regisseur die fanatische Politik der Region, die besonders Frauen und Mädchen kontrolliert. So darf ein Surftalent nicht mehr aufs Brett, nur aus dem Grund, dass sie kein Kind mehr ist und eine Frau zur "Schande" wird, wenn sie im Meer schwimmen geht. 

Gekonnt kombiniert Gnadt politische Kritik mit emotionalen Bildern, die absolut natürlich und intim wirken. Das sieht man besonders an den Szenen, in denen die Menschen über ihre Situation sprechen. Es wirkt, als wären Momente aus einem Gespräch zwischen Freunden herausgenommen worden. Und genau das macht den Film so ehrlich und berührend.

"Gaza Surf Club" läuft ab dem 30. März 2017 im Kino.

 

Platte des Monats

Conor O'Brien zeigt mit The Art of Pretending to Swim, dass Indie-Folk auch im Jahr 2018 noch spannender klingen kann, als man das von diesem Genre erwartet hätte. Das vierte Album der Villagers vereint, was eigentlich widersprüchlich wirkt: Folk mit R'n'B und Experimentierfreude mit Zugänglichkeit. 

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