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Theaterkritik

Lilja 4-ever

Autor(en): Manuel Andre am Samstag, 11. Februar 2017
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Quelle: © Konrad Fersterer

Lilja wird von Andrej umworben

"Lilja 4-ever" ist ein Stück über Zwangsprostitution und sexuelle Gewalt. Vor allem das Bühnenbild und die Hauptdarstellerin überzeugen.

Eine intergroup-Inszenierung

Einmal pro Spielzeit wird die Bühne im Marstall frei für die Schauspieler von morgen. Denn dann inszeniert Regisseurin Anja Sczlinski, mit gecasteten Jugendlichen und Ensemblemitgliedern des Residenztheaters, ein Jugendstück, meist von größter Aktualität. Nach "Wir sind jung, wir sind stark" im letzten Jahr, wagte sich Sczilinski wieder an nicht ganz einfache Theaterkost heran: In "Lilja 4-ever" geht es um die Überlebensstrategien eines Mädchens, das von der großen Freiheit träumt: Von Amerika. Der Weg dorthin ist steinig und äußerst brutal.

Abstraktes Bühnenbild

Auf der Bühne im Marstall steht eine riesige Stahlkonstruktion. Darauf befindet sich eine leicht gekippte Ebene, in der Mitte davon ist ein begehbares Netz gespannt. Auf der obersten Etage sitzt ein Cellist, der seelenruhig zwischen den Szenen für die passende Stimmung sorgt.
Die Spielorte, im sehr gelungenen Bühnenbild von Bärbel Kober, werden dabei allein durch Lichteffekte und durch die Schauspieler definiert. So ist beispielsweise die eine Ecke der Bühne mal ein Supermarkt und mal ein Modegeschäft.

Starke Hauptdarstellerin

Im Mittelpunkt der Inszenierung steht die sechzehnjährige Lilja. Lilja, eindrucksvoll gespielt von Soraya Bouabsa, wird von ihrer Mutter alleine zurückgelassen. Fortan kämpft sie um ihr eigenes Überleben. Die Szenen zu Beginn des Stücks sind banal, es passiert nicht viel, die Geschichte nimmt einfach ihren Lauf. Lilja feiert mit ihren Freunden, flieht in Drogenräusche, geht einkaufen und lebt ihre Jugend.
Das Geld bei der Schülerin ist stets knapp, denn sie muss sich alleine um die Miete, Lebensmittel oder das Geschenk für den besten Freund kümmern. Dem Chor, der in einzelnen Szenen um Lilja und ihren besten Freund Volodja (überzeugend: Simon Schwald) agiert, fehlt dabei ein wenig die Kraft und so ist es die schauspielerische Leistung von Bouabsa, die hier am meisten beeindruckt.
Kraftvoll sind dann die Szenen unter der schrägen Ebene: Dort findet das Nachtleben der Jugendlichen statt. Von ihrer Tante im Stich gelassen und den Freunden verraten, wird Prostitution für Lilja schließlich der Ausweg aus der Geldnot. Im Hinterkopf immer: Der Traum von Amerika.

Eindrucksvoller Schlussteil

Das Stück nimmt ab dem Zeitpunkt Schwung auf, als auch Liljas Leben eine Wendung nimmt: Der verführerische Andrej macht sich an die 16-jährige heran und verspricht ihr ein schönes Leben in Deutschland. Dass Andrej aber nur ein Anwerber für einen Zuhälter ist, ahnt Lilja nicht und so führt ihr Weg nicht in die Freiheit, sondern viel mehr in ein Gefängnis, geprägt von sexueller Gewalt.
Zwischen Zuschauer und Schauspieler fällt in diesem Moment auch eine riesige, teils durchsichtige, Plane von oben herab. Wenn dann Lilja von innen gegen die Plane schlägt und um Hilfe schreit, entwickelt das Stück eine enorme Kraft und schafft es, den Zuschauer zu berühren.
Neben der starken Leistung von Soraya Bouabsa, bleibt so nach 90 Minuten "Lilja 4-ever" im Marstall vor allem die letzte halbe Stunde in Erinnerung. Diese zeigt eindrücklich die Prägnanz des Themas und ist auch der Grund, warum man sich dieses Stück auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

Weitere Vorstellungen von "Lilja 4-ever" finden am 23. und 26. Februar, sowie am 13. und 27. März statt. 

 

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