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Eine musikalische Zeitreise

Reunion mit meinen Jugendidolen

Autor(en): Julian Hutter am Mittwoch, 3. August 2016
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Quelle: Pixabay

Eine E-Gitarre

Viele meiner Jugendidole machen heute wieder Musik. Hier sind Punkte, die sich bei mir seit 12 Jahren in meiner Sichtweise verändert haben.

2004 war für mich ein prägendes Jahr. Green Day kam mit „American Idiot“ um die Ecke. Sum 41 gelang mit „Chuck“ der internationale Durchbruch. Und Tom Delonge hat mit Blink-182 die Cash-Cow, in Form von Balladen für sich entdeckt. Um es abzukürzen: 2004 hat mich musikalisch sozialisiert.

Jetzt, zwölf Jahre später, haben all diese Bands entweder Reunions, treten wieder in Erstbesetzung auf oder bringen nach langer Zeit neue Alben.

Kürzlich habe ich mir mit meinem Kumpel die Songs von früher angehört. Und was soll ich sagen: wir waren wieder sofort in diesem Vibe: als man in DC-Shoes und Justin Biber Gedächtnisfrisur auf Skateboards, kläglich am Olli gescheitert ist. Hier sind die wesentlichen Dingen, die sich seitdem verändert haben.

1) Auf einmal verstehe ich die ganzen Texte

In einer Zeit, in dem ich meinem Vater Songtexte übersetzen lies, weil ich an den internetfähigen Computer noch nicht durfte, hatte ich nicht wirklich den Plan, über was die Band gerade sang. Spätestens bei obszönen Textpassagen übersetzte mein Vater nämlich sehr kreativ. Zwölf Jahre später bin ich überraschenderweise immer noch sehr textsicher, jedoch verstehe ich auf einmal, was ich da sang.

2) Probleme über die ich gesungen habe, hatte ich tatsächlich

„I miss you“ von Blink-182 war ein Song, den ich früher richtig gefühlt hab. Aufgrund fehlender obszöner Inhalte, hat ihn mir mein Vater dann auch Wort für Wort übersetzt. Wie gerne hätte ich damals tatsächlich eine verflossene Liebe gehabt um den Song noch mehr zu fühlen. Als Anfang 20-Jähriger kann ich meinem Ich von damals getrost sagen: Julian, so geil war es auch nicht.

 


3) Ich verachte jetzt die Kids, die die gleiche Musik hören und auf Konzerte kommen

Mein erstes Konzert war 2005. Green Day und die „American Idiot Tour“. Unsere Eltern standen irgendwo ganz hinten und meine Freunde und ich haben sich bis nach vorne gekämpft. Wir ernteten böse Blicke von den Erwachsenen. Auch dumme Sprüche erreichten uns. Damals hatte ich natürlich keine Idee weshalb uns Antipathie von allen Seiten entgegen kam. Schließlich einte uns doch alle die Liebe zu Green Day. Mittlerweile braucht ein 13-Jähriges Fan-Girl auf einem Orsons Konzert nur die Textpassage von einem alten Lied nicht können und ich würde sie gerne eigenhändig des Konzerts verweisen. Oft ohne Erfolg.

4) „Nur ich alleine, hab den besten Musikgeschmack“

Längst bin ich so geworden, wie die Leute, die ich früher augenverdrehend angeschaut habe. Leute mit der „Radiomusik und Mainstream ist der Feind“ Attitüde. Wenn Bon Iver, The Notwist und Postal Service in der Playlist rotieren, ist das nicht zwangsläufig ein Merkmal exklusiven Geschmacks. Jedoch lässt es sich mit diesem Background leichter gegen die David Guettas und Frida Golds dieser Welt herziehen. Als ich mit dreizehn Jahren am ersten Becks genippt und auf privaten Partys zu Partymusik genickt habe, konnte ich die Indie-Heads einfach nicht verstehen. Mittlerweile verstehe ich den präpubertierenden Julian nicht mehr.

 

Nein, früher war sicher nicht alles besser. Aber eines war es mit Sicherheit: Beschwerdefrei. Das größte Problem damals war die vier in Mathe und das Volcom-Shirt, das ich nicht bekommen habe, weil es zu teuer war. Heute sind nicht nur die anderen Künstler, die ich feiere, sondern auch die Probleme und Sorgen, die ich als Erwachsener habe.

Ich möchte meine Kindheit auf keinen Fall missen, und könnte mir auch musikalisch nichts besseres für mein damaliges Ich wünschen. Natürlich ist es jetzt nicht mehr das Gleiche, wenn ich das neue Album von Blink-182 höre. Ob das nur am Fehlen von Tom Delonge liegt, mag ich bezweifeln.

 


 

Platte des Monats

Conor O'Brien zeigt mit The Art of Pretending to Swim, dass Indie-Folk auch im Jahr 2018 noch spannender klingen kann, als man das von diesem Genre erwartet hätte. Das vierte Album der Villagers vereint, was eigentlich widersprüchlich wirkt: Folk mit R'n'B und Experimentierfreude mit Zugänglichkeit. 

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