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Platten vor die Säue

Tame Impala - Currents

Autor(en): Manuel Kronenberg am Donnerstag, 16. Juli 2015
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Quelle: Caroline

Currents erscheint am 17. Juli auf Caroline/Universal Music

Weniger Gitarren, mehr Synthpop, immer noch John Lennon. Currents, das dritte Album von Tame Impala, kommt mit neuem Sound daher.

Allwöchentlich setzen sich die Redakteure der M94.5-Musikredaktion zusammen, hören Musik und beratschlagen, welche neuen Songs sie ins Programm aufnehmen sollen. Da kann es schon mal vorkommen, dass heftig diskutiert wird, Leute weinend den Raum verlassen oder anderen die Köpfe einschlagen wollen. Oder es ist ganz unaufgeregt, alle sind sich einig. Das kommt bei Musikthemen vor, bei denen schon vor dem Hören relativ klar ist, dass sie hervorragend sind. So ähnlich war es zunächst auch, als im März der erste Song des neuen Albums von Tame Impala über die Boombox abgespielt wurde.

Die Stimmung ist gut, die Aufregung groß: Tame Impala hauen einen neuen Song – Let It Happen – als Free Download raus. Mehr als zwei Jahre nach ihrem Zweitling Lonerism, diesem Meisterwerk retrospektiven Psychedelic-Rocks, melden sich die Australier wieder zurück und kündigen ihr drittes Album Currents an. Das kann nur gut sein. Aber schon rufen die Kritiker: „Können wir wirklich einen achtminütigen Song ins Programm nehmen?“ Das sei doch viel zu lang, das könne man dem Hörer nicht zumuten. Das könne man vor allem dem Moderator nicht zumuten, denn ab Minute 3:50 klingt es verdächtig so, als hätte die Studiotechnik ein Problem bekommen, was beim Moderator fiese Panikattacken auslösen kann...

Sind denn mal Gitarren zu hören, klingen sie alles andere als roh

Letztendlich lief Let It Happen dann ungekürzt inklusive Platte-hängt-Sound im Programm. Und das liegt vor allem daran, dass der Song grandios ist, dass er den hohen Erwartungen gerecht wird, die man nach den bisherigen Veröffentlichungen und den Beatles- und Pink-Floyd-Vergleichen an Tame Impala hatte. Let It Happen ist der Opener der neuen Platte Currents. Ein verträumtes, episches Stück Musik, das schon im März einen Hinweis darauf gab, wie die neue Platte klingen wird.

Das Erste, was auffällt, sind die Gitarren. Oder eher die fehlenden Gitarren. Sänger und Gründer der Band Kevin Parker hatte schon angekündigt, das Album werde minimalistischer, weniger rockig als seine Vorgänger. Dass es so konsequent einen neuen Sound zelebriert, hätte man vorher wohl trotzdem nicht unbedingt erwartet. Viel Synthesizer, wenig Gitarren. Geblieben ist Parkers Stimme und mit ihr die Erinnerung an John Lennon.

Mindestens ebenso episch und majestätisch wie Let It Happen und mit einem noch etwas eingängigeren Refrain ist der Song 'Cause I'm A Man.

Songs wie Elephant sucht man vergeblich, man vermisst sie aber auch nicht

Neben diesen beiden Songs gehört der Track The Less I Know The Better und die Ballade Eventually zu den stärksten Nummern der Platte. Auch Disciples oder Nangs überzeugen, vor allem weil sie einen Gegenpol zu Songs wie Let It Happen oder 'Cause I'm A Man darstellen. Sie sind weniger episch, nicht ganz so verträumt und nur knappe zwei Minuten lang. Bergab geht es dann leider gegen Ende der Platte, der Song Love/Paranoia ist der Tiefpunkt, zu rührselig, zu langweilig. Aber darüber kann man wegen des großartigen Rests der Platte auch gern mal hinwegsehen.

Currents klingt insgesamt poppiger und verträumter als die vorherigen Werke. Reine Gitarrensongs wie Elephant sind auf der Platte nicht zu finden, Songs mit Ohrwurmpotential wie Feels Like We Only Go Backwards schon eher. Currents ist ein sehr starkes Album; das Werk eines perfektionistischen Kevin Parker.

 

Gesamtbewertung: 5 von 5 Punkten

 

Currents von Tame Impala erscheint am 17.07.2015 bei Caroline

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