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Dinge, die ein (was auch immer) nicht sagt

Aussprechen strengstens verboten

Autor(en): Sarah Weiß am Dienstag, 11. Juni 2013
Quelle: Sarah Weiß / M94.5

Blogs der Art "Dinge die ein XY nicht sagt" erstellen Listen mit Ausdrücken, die in der entsprechenden Kategorie nicht erwünscht sind. Kann uns eigentlich Wurscht sein.

Blogs der Art "Dinge die ein XY nicht sagt" erstellen Listen mit Ausdrücken, die in der entsprechenden Kategorie nicht erwünscht sind. Kann uns eigentlich Wurscht sein.

Manchmal – zwar nur noch selten in Zeiten von Smartphones und Internet-Flats – aber eben doch manchmal, möchten wir im Alltag mit unseren Mitmenschen sprechen. Der Vorgang des Sprechens an sich ist schon komplex genug: Gehirn in Betrieb nehmen, Sprachzentren aktivieren. Wörter auswählen, Grammatik beachten.

Aber seit Neustem gibt es eine zusätzliche Hürde: abgleichen, ob wir überhaupt sagen dürfen, was wir sagen wollen. Unser Regelwerk sind dabei nicht der preußische Ehrenkodex oder der kleine Knigge, sondern zahlreiche Blogs, die uns je nach Kategorie einen Leitfaden zum korrekten Sprechen liefern.

Soll nie von einem BWLer zu hören sein: "Ich studiere das, weil es mich interessiert"

“Ich komme heute Abend mit dem Fahrrad“? Ein absolutes Verbot für jeden BWLer. Und ein Berliner, der nicht den großen Traum hat, mal „was mit Medien“ zu machen ist ebenso undenkbar, wie einer, der „Grüß Gott“ sagt. Der Bayer wiederum muss natürlich Grüß Gott sagen. Des einen Dos sind des anderen Don'ts. Kompliziert!

Für einen bayerischen Musiker, der in München Maschinenbau studiert, ergibt sich ein aus den folgenden vier Blogs zusammengesetztes Regelwerk: „Sachan, de a Bayer nie song dad“, „Things Musicians Don't Say“, „Dinge, die ein Münchner Student nicht sagt“ und „Dinge, die ein Maschinenbaustudent nicht sagt“. Und jetzt wird’s kritisch: Nur Ausdrücke, die in keinem dieser „Dinge, die du nicht sagen darfst“-Raster hängen bleiben, dürfen noch beim Sprechen benutzt werden. Bitte keine Extravaganzen!

Die Koordination dieses mehrstufigen Auswahlverfahrens verlangt unserem Gehirn eine Meisterleistung ab. Bist du intelligent genug, dich in dem Labyrinth der Regeln zurechtzufinden?

Speziell wird’s bei Aussagen über Verkehrsmittel: Der BWLer fährt nicht mit einem Ford Fiesta zur Vorlesung über Wirtschaftsethik, der Münchner nicht mit der „Straßenbahn“ zum „Karlsplatz“ oder „Oktoberfest“. Und der echte Bayer würde sein Moped nie zur Reparatur in die Werkstatt bringen – ist ja wohl selbstverständlich, dass er das selber zuhause kann.

Koks? Nein danke“– No-Go für einen Münchner?

Was tue ich aber, wenn ich mich als Münchner entgegen aller Regeln trotzdem traue zu sagen, dass ich nicht kokse und Pelzmäntel nicht für schick, sonder für Tierquälerei halte? Wenn ich mich nicht nur weigere, das Regelwerk meiner Gruppe anzuerkennen, sondern mich erst gar nicht in eine dieser Schubladen stecken lassen will? Wenn die eigene Individualität auf das Klischee der Gruppe trifft? Dann ist es Zeit für eine neue Blogwelle: „Dinge, die sich ein (was auch immer) nicht verbieten lässt zu sagen“ oder für die Bayern: „Gä, mach doch's Mei auf!“

Einen Liter Bier bestellt man in München natürlich trotzdem nicht...

 

Platte des Monats

Conor O'Brien zeigt mit The Art of Pretending to Swim, dass Indie-Folk auch im Jahr 2018 noch spannender klingen kann, als man das von diesem Genre erwartet hätte. Das vierte Album der Villagers vereint, was eigentlich widersprüchlich wirkt: Folk mit R'n'B und Experimentierfreude mit Zugänglichkeit. 

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