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Zur Emeritierung von Professor Christian Kummer SJ

Glaube & Naturwissenschaft

Autor(en): Maria Langlechner am Sonntag, 7. Juli 2013
Quelle: Hochschule für Philosophie, München

Christian Kummer

Spätestens seit Laplace verzichten Naturwissenschaftler gern auf die Hypothese eines Schöpfers. Vielleicht zu unrecht.

Spätestens seit Laplace verzichten Naturwissenschaftler gern auf die Hypothese eines Schöpfers. Vielleicht zu unrecht.

Die Anekdote kennen viele Naturwissenschaftler: Als der große französische Mathematiker und Physiker Pierre-Simon Laplace seine Abhandlung über die Himmelsmechanik Napoleon vorstellt, fragt der Feldherr, warum Laplace in einem Buch über das Weltall nicht einmal seinen Schöpfer erwähnt habe. Die Antwort zeugt von logischem Denken: "Diese Hypothese habe ich nicht benötigt."

Grenzen der Naturwissenschaft

Manchem gilt diese Geschichte als Beleg dafür, dass die moderne Naturwissenschaft nicht nur auf die Hypothese verzichten könne, sondern gleichsam die Existenz Gottes widerlegt hätte. "Jedem, der meint, alles naturwissenschaftlich erklären zu können, würde ich sagen: 'Schau auf diese Dinge, die eben nicht so dezidiert festzumachen sind, aber die im Hintergrund existieren können'.", hält Christian Kummer dagegen. Als langjähriger Leiter des Instituts für naturwissenschaftliche Grenzfragen an der Hochschule für Philosophie in München kennt er sich mit interdisziplinärer Arbeit aus: "Christian ist an der Schnittstelle von Philosophie, Theologie und Biologie tätig. Er ist auf der einen Seite ein Voll-Naturwissenschaftler, er ist aber auch Seelsorger und er ist Philosoph. Das heißt, er befindet sich genau in diesem Bermuda-Dreieck, in das sich viele nicht reintrauen. Das ist sehr beeindruckend", sagt Harald Lesch, der seinen Kollegen und Freund als tiefen, originellen niederbayerischen Denker beschreibt.

Wo populäre Religionskritiker wie Richard Dawkins und Daniel Dennett mit viel Polemik den Naturwissenschaften die alleinige Deutungshoheit über die Welt zuschreiben möchten, analysiert Kummer lieber sorgfältig. Er weist darauf hin, dass in den meisten Fällen Naturwissenschaftler und Theologen in ihrer Welteinschätzung ohnehin übereinstimmen würden. Auch wenn er katholischer Priester ist, erwarte er keineswegs Wunder, sondern naturwissenschaftliche Erklärungen. Christian Kummer scheut sich auch nicht, Vertretern aller Lager gleichmäßig auf die Zehen zu treten. Darwins Theorie sei ein Segen für Theologie und "Gott hat die Welt so gemacht, dass sie sich selbst macht", sagt er.

Argumentative Klarheit und Humor

Studenten, die Christian Kummer einmal in einem Seminar erlebt haben, sind oft von seiner argumentativen Klarheit und seiner Direktheit, gewürzt mit einer guten Portion Humor, angetan. Wo manche seiner Kollegen ein Vordenken fordern, gibt er sich scheinbar schneller zufrieden: Ihm würde es schon reichen, wenn die Leute nachdenken würden. Seine Forschungsschwerpunkte bieten zum Nachdenken ausreichend Stoff. Darunter finden sich bioethische Fragen zur Stammzellenforschung und dem Lebensbeginns des Menschen oder Kreationismus-Kritik. Solche umstrittenen Themen geht er manchmal streitlustig, aber immer mit Augenmaß an. Auch wenn es Kollegen gebe, bei denen "die Lust an der Katastrophe zum ethischen Prinzip erhoben" sei, wie er schmunzelnd einräumt.

Auf seiner Profilseite der Hochschule zitiert Christian Kummer Goethe: "Hier treffen wir nun auf die eigene Schwierigkeit, die nicht immer klar ins Bewusstsein tritt, dass zwischen Idee und Erfahrung eine gewisse Kluft befestigt scheint, die zu überschreiten unsere ganze Kraft sich vergeblich bemüht. Demohngeachtet bleibt unser ewiges Bestreben, diesen Hiatus mit Vernunft, Verstand, Einbildungskraft, Glauben, Gefühl, Wahn und, wenn wir sonst nichts vermögen, mit Albernheit zu überwinden". Die Worte des Dichterfürsten drücken aus, was Kummer vielen seiner Studenten vermittelt hat. Am 2. Juli 2013 hat Christian Kummer seine Abschiedsvorlesung gehalten. Der Titel verrät einiges über seine Arbeit: „Kirche und Naturwissenschaft. Wider die Vernachlässigung eines spannungsreichen Verhältnisses.“

 

Den Beitrag zum Artikel von Kristin Pfeuffer zum Nachhören gibt es hier.

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