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Lydia Daher veröffentlicht 101 Lyrik-Collagen in ihrem neuen Buch: „Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies“.

Das Eigentlich ist so geräumig

Autor(en): Katharina Kunzmann am Mittwoch, 14. Januar 2015
Quelle: © Lydia Daher_Voland & Quist

© Lydia Daher_Voland & Quist

Lydia Daher veröffentlicht 101 Lyrik-Collagen in ihrem neuen Buch: „Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies“.

Es ist 8:30 Uhr morgens, mein Wecker klingelt und ich schleppe mich müde in die Küche. Auf der Rückseite der Kaffee-Verpackung ist zu lesen: „Diese Tasse Sinnlichkeit bringt dir neue Munterkeit!“ Na bravo, auf diese Dichtkunst am Morgen hätte ich wirklich liebend gerne verzichten können. Aber wer erwartet von einem Werbeslogan auch schon große Lyrik.
Wirklich große Poesie, das ist doch eine Kunstart bei der, mit viel Phantasie, die Ausdrucksmöglichkeiten der Sprache eingesetzt werden, um dem Leser eine Welterfahrung näher zu bringen. Wo steckt die leidenschaftliche, flammende Poesie? Eines ist klar, schon einmal nicht auf der Rückseite einer Kaffee-Verpackung.
 


Lyrisch deutlich gehaltvoller ist Lydia Daher mit ihrem neuen Buch „Und auch nun, gegenüber dem Ganzen – dies“. Nach dem Erscheinen von bereits zwei Musikalben widmet sich das Multitalent ganz der bildhaften Kunst. Ganz eigentümlich gelingt es dabei der Autorin aus Alltäglichem Poesie zu schaffen. Die Sängerin, Poetry-Slamerin und Künstlerin zerschnipselte ein Jahr lang deutschsprachige Zeitungen und setzte sie neu zusammen. Es wurde gerissen, geklebt und geschnitten bis aus etwas Altem Neues entstand. Daher setzt sich in ihren Collagen mit den unterschiedlichsten Themen auseinander. Zukunft, Liebe, Trauer, Trost, Menschlichkeit - kaum ein Lebensbereich der in ihren Bildern nicht thematisiert wird.



In ihrer Kunst verbindet Daher bunte Bilder mit fragmentarischen, lyrischen Texten. Die zunächst wirr und konfus erscheinenden Zeitungscollagen entfalten aber bei näherer Betrachtung tiefgehende, leidenschaftliche Motive. Die zerrissenen Darstellungen spiegeln ein zerrissenes Äußeres wieder.
Manche Bilder sind dabei sehr zurückhaltend und zeigen beispielsweise nur einen Schmetterling auf weißem Papier und die Worte: „Sie traf. Eine befreiende Tat“. Auf anderen Bildern hingegen sind so viele Farben, Formen und Worte vermischt, dass man schier erschlagen wird. Alle Bilder haben aber gemein, dass die Verbindung von Bild und Sprache im Mittelpunkt steht. Diese Kombination ermöglicht es dem Leser sich mit zugänglicher, aber keineswegs banaler Kunst auseinanderzusetzen.
 


Die Neuformierung von Alltäglichem ist in der Kunst Dahers ein zentrales Thema. Und diese Inspiration kann man im Anschluss auch gleich auf seinen Alltag übertragen. Warum sollte ich mich schon am Morgen über die Banalität eines Werbeslogans auf der Kaffee-Verpackung aufregen, wenn man es auch wie Lydia Daher ausdrücken kann: „Der Morgen hebt die Schultern an, schraubt am Wechsel des Lichtes“.....Hach, schön!



 

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