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Spielart 2015

Kunst im politischen Widerstand

Autor(en): Andreas Neukam , Kari Kungel am Donnerstag, 29. Oktober 2015
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Quelle: Mohamed El Masry/Spielart

Kunst im Konflikt

Auf der Straße liefern sich staatliche Einheiten Schlachten mit der protestierenden Bevölkerung. Trotzdem ist in dem Chaos Kunst möglich. Wie, zeigt das Spielart.

Alle zwei Jahre steigt in München für zwei Wochen das Theaterfestival „Spielart“ auf die Bühne, für drei Tage widmet es sich im Gasteig jetzt speziell der Kunst im Widerstand, der „Art in Resistance“.

Rund 800 Künstler aus aller Welt haben sich laut Kuratorin Sophie Becker für die „lebende Ausstellung“ beworben, exakt 57 von ihnen haben es geschafft. Vom 30. Oktober bis 1. November stellen sie am Isar-Hochufer ihre Zeichnungen, Fotos, Filme oder Installationen aus. Und das ist längst nicht alles. Anschauen und vor allem Mitmachen ist die Philosophie des „Art in Resistance“.

Mit Künstlern ins Gespräch kommen

Bei der Auswahl der Künstler hat Sophie Becker bewusst auf große Namen verzichtet. Dafür hat sie es geschafft, dass fast alle Künstler an den Ausstellungstagen vor Ort sind. „Dass man wirklich im Gasteig ganz konkret mit den Künstlern über ihre Werke sprechen kann, über die Situation in ihrem Land. Und da ist dann auch keine Frage zu blöd.“, betont Becker.


Kunst aus Ägypten: Walls of Freedom. Quelle: Basma W. Hamdy/Spielart

Nation, politisches Engagement, Protest

Der arabische Frühling, Proteste in London, Hong Kong, der Ukraine: Die vergangenen fünf Jahre waren geprägt von Aufständen unterschiedlichster Art. Genau denen nimmt sich das Spielart jetzt aus künstlerischer Sicht an. Dabei steht beim „Art in Resistance“ auch die Frage im Mittelpunkt: Wo sind die Grenzen des politischen Engagements und wo die Grenzen des Engagements durch Kunst?

„Wir wollten schauen, welche politischen Themen gerade weltweit verhandelt werden. Uns war es vor allem wichtig, Themen zu finden, die nicht auf einen bestimmten Kulturraum beschränkt werden.“, sagt Sophie Becker. Deswegen standen auch schon bevor zehntausende Flüchtlinge an einem Wochenende am Münchner Hauptbahnhof ankamen, die Themen „Nation“ und „Grenzen“ auf dem Programm.

Proletenpassion: Geschichte der Beherrschten

Die Veranstaltung im Gasteig wird ergänzt durch mehrere Performances auf anderen Bühnen des Festivals. Eine davon ist die Proletenpassion in der Muffathalle. Erstmals bei den Wiener Festwochen 1976 vorgestellt, erzählte sie in insge­samt 65 Lie­dern die letzten 500 Jahre als eine Geschichte der Klassen­kämpfe, an deren vorläufigem Ende nicht unbe­dingt der Sieg der Arbeiterklasse steht.


Die Proletenpassion. Quelle: Yasmina Haddad/Spielart

„Es wird eigentlich die Weltgeschichte erzählt, aber eben nicht aus der Sicht der Herrschenden, der Könige und Fürsten, wie es sonst oft geschieht, sondern aus der Sicht der Unterschicht, der Bauern.“ Bei der Aufführung in München wird diese Geschichte jetzt fortgeschrieben. Regisseurin Christine Eder inszeniert die Proletenpassion bis in die Gegenwart weltweiter Proteste von Oc­cupy bis Gezi.

Kuratorin Sophie Becker im Interview

Die Kuratorin des Spielart, Sophie Becker, war am 28. Oktober zu Gast in der Hörbar am Nachmittag. Das komplette Interview zum Spielart im Allgemeinen und zu Art in Resistance und zur Proletenpassion im Speziellen gibt es hier zum Nachhören:

Das Theaterfestival Spielart findet vom 23. Oktober bis 7. November an zahlreichen Spielorten in München statt.

Die Ausstellung „Art in Resistance" im Gasteig beginnt am Freitag, 30. Oktober um 16 Uhr. Am Samstag und Sonntag öffnet die Ausstellung bereits um 11 Uhr und schließt um 23 Uhr.

Am selben Wochenende findet auch die Proletenpassion statt. Täglich um 20 Uhr in der Muffathalle.

Platte des Monats

Conor O'Brien zeigt mit The Art of Pretending to Swim, dass Indie-Folk auch im Jahr 2018 noch spannender klingen kann, als man das von diesem Genre erwartet hätte. Das vierte Album der Villagers vereint, was eigentlich widersprüchlich wirkt: Folk mit R'n'B und Experimentierfreude mit Zugänglichkeit. 

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