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Vom Dosenfutterjunkie zum Sternekoch

Autor(en): Dena Brunner am Sonntag, 7. August 2011
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Die Kindheit des britischen Starkochs Nigel Slater war stark von einem Nahrungsmittel geprägt: Toast. Der gleichnamige Film, basierend auf seiner Autobiografie „Halbe Portion. Wie ich meine Leidenschaft für das Kochen entdeckte“ kommt jetzt in die Kinos.

Man möchte kaum glauben, dass sich ein Junge, der mit Mutters verbrannten Toastbroten aufwächst, mit 53 Jahren einen Gourmetkoch nennen darf. Der aus Wolverhampton stammende Nigel Slater hat als Kind nämlich vorzüglich Dosennahrung und überkochtes Matschgemüse von seiner Mutter serviert bekommen.

Ein paar Jahrzehnte später erfreut Slater ganz Europa mit seinen Kochbüchern wie „Real cooking“, „Appetite“ oder „The Kitchen Diaries“. 

Der Promi-Koch Jamie Oliver nennt Nigel Slater ein „verdammtes Genie“.

Wenn man Nigel Slater heute fragt, warum er gerade Koch geworden ist, sagt er „Essen war für mich mein Hobby, meine Karriere, und, das muss gesagt werden, meine Flucht.“

Der Film „Toast“, der auf Slaters wahrem Leben basiert, zeigt, dass die Flucht bis hin zum Erfolg lange auf sich warten ließ.

Melancholisch und introvertiert wie Nigel als Kind ist, kann er den frühen Tod seiner Mutter kaum verkraften. Vor allem nicht bei dem schlechten Verhältnis zu seinem überstrengen Vater. Dieser kann - genau wie die Mutter - nicht kochen und überreizt somit die ohnehin schon sensiblen Nerven seines Sohnes. Nigel nutzt dieses Handicap seines Vaters und versucht selbst zu kochen, um sein Herz für sich zu gewinnen. Doch auch diese Versuche scheitern kläglich.

Als der Vater eine sehr bürgerliche und vulgäre Putzfrau namens Mrs. Potter einstellt, die er dann auch noch heiratet, beginnt Nigels Leben sich einer Katastrophe zu nähern. Mrs. Potter ist eine hervorragend gute Köchin, die Nigels Vater nach Strich und Faden verwöhnt. Da sie ihm keine Rezepte verrät und der Vater ihre Gerichte lieber isst als Nigels, hat dieser keine Chance, um die Gunst seines Vaters zu werben.

Teilweise sehr humorvoll und mit Liebe zum Detail nachempfunden beginnt man als Zuschauer Empathie für den Hauptdarsteller zu entwickeln. Nigel Slater wird in seiner Kindheit dargestellt vom brillanten Oscar Kennedy, der einen zu Tränen rührt. Auch den pubertierenden Slater nimmt man dem Schauspieler Freddie Highmore ab.

Helena Bonham Carter übetrifft sich in ihrer Rolle als verbissene Stiefmutter Mrs. Potter wieder mal selbst.

Da der Film die Geschichte eines berühmten Food Journalisten und Kochs nacherzählt, erwartet man eigentlich, auch viel Köstlichkeiten und deren Zubereitung zu sehen. Hier wird man jedoch enttäuscht. Mrs. Potters leckere Gerichte werden nur kurz gezeigt, der Fokus liegt lediglich auf der geheimen Zubereitung der Zitronen-Baiser-Torte.

Viel zu lang hingegen ist das Kapitel des Todes von Slaters Mutter. Tieftraurig und langatmig sind hier die Filmpassagen, die den kleinen Nigel zeigen, der nur mit dem duftenden Abendkleid der geliebten Mutter zugedeckt einschlafen kann.

Eine Botschaft des Films lässt einen dafür nicht los- Nigel Slater hat es selbst gesagt: „Es ist unmöglich, jemanden der dir Toast zubreitet, nicht zu lieben.“

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