KW 38 / 2013: Bill Callahan - Dream River
Der M94.5 Plattentipp der Woche
Bill Callahan spielt auf seinem vierten Solo-Album "Dream River" gekonnt mit der musikalischen Einfachheit.
Auf Bill Callahans viertem Studioalbum "Dream River" verschmelzen simple Songstrukturen mit einem ausgeklügeltem Experimentalismus und bilden gemeinsam einen glanzvollen Höhepunkt im gekonnten Spiel des amerikanischen Singer/Songwriters mit der musikalischen Einfachheit.
Die Anfänge - Bill Callahans Solo-Debüt
Im Jahr 2007 veröffentlicht Bill Callahan mit "Woke On A Whaleheart" sein erstes Studio-Album unter eigenem Namen. Schon das Album-Cover dieser Veröffentlichung spricht Bände: farbenfroh, etwas überladen, assoziativ und mit leichtem psychedelischen Einschlag. Alle diese Eigenschaften finden sich ebenso musikalisch auf dem Solo-Debüt wieder. Die Songs sind teilweise etwas schwankend und weisen im Gesamtkontext "Album" noch nicht die ungezwungene Einheitlichkeit und kluge Stimmigkeit auf, wie sie die folgenden Aufnahmen auszeichnen sollte. Nichtsdestotrotz ist das Album bereits eine interessante Weiterentwicklung des musikalischen Grundkonzepts von Bill Callahans früherer Band "Smog".
"Sometimes I Wish We Were An Eagle" und "Apocalypse" - Rückbesinnung und Experiment
Im kontinuierlichen Zweijahresrhythmus lässt der amerikanische Ausnahme-Singer/Songwriter mit der unverwechselbaren halb-gesungenen/halb-gebrummelten Stimme seither seine Hörerschaft aufjubeln, indem er sie mit neuen Alben beglückt.
Doch es lohnt sich vor einer Besprechung der neuen Platte durchaus, einen Blick zurück auf die beiden Vorgänger-Alben "Sometimes I Wish We Were An Eagle" (2009) und "Apocalypse" (2011) zu werfen. Das großartige Folk-Album aus dem Jahr 2009 stellt in Bill Callahans Schaffensprozess eine scheinbare Rückbesinnung auf die konsequente Simplizität und Repetitivität des Songwritings zu "Smog"-Zeiten dar. Dem gegenüber stehen die wieder zunehmenden musikalischen Experimente (Sound-/Gitarreneffekte) auf "Apokalypse".
"Dream River" als (vorläufiger) Höhepunkt in Bill Callahans musikalischem Schaffen
"Dream River" ist vor allem deswegen ein derart herausragedes Album, da die Zusammenarbeit von Bill Callahan mit dem Gitarristen Matt Kinsey im Laufe der letzten beiden Alben zu einer kongenialen musikalischen Symbiose gereift ist. Der lautmalerische Charakter von Kinseys Gitarrenspiel verleiht den einfachen Grundstrukturen der Songs eine unheimliche Tiefe und zeichnet zudem maßgeblich dafür verantwortlich, dass sich "Dream River" zu keiner Sekunde in Vorhersehbarkeit verliert.
Sowohl der erste als auch der letzte Song des Albums sind countryesk eingefärbte, von Streichern begleitete, harmoniegeladene Stücke, die einen perfekten Rahmen für den etwas experimentelleren Mittelteil bilden. Aus letzterem sticht vor allem das sehr emotionale und rührselige "Small Plane" heraus, das auf magische Weise Romantik und Bodenständigkeit gleichermaßen in sich vereint.
Ein Album wie aus einem Guss und definitiv schon jetzt eines der besten Singer/Songwriter-Platten im Jahr 2013. Ein perfekter Begleiter für einen kühlen Herbstabend, an dem man die letzten Strahlen der untergehenden Sonne verfolgt und sich völlig entspannt große und kleine Geschichten erzählen lassen möchte. "The perfect end to a person's day" also, wie es Bill Callahan selbst bezüglich seines aktuellen vierten Solo-Albums formuliert hat.
Wertung: 9,5 / 10
Key Tracks: Javelin Unlanding, Small Plane, The Sing, Winter Road
Artist: Bill Callahan
Album: Dream River
Label: Drag City
VÖ: 23.09.2013