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Tod oder Auferstehung?

Autor(en): Simon Kerber am Freitag, 28. August 2015
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Quelle: Tapefabrik

Tapefabrik Logo

Eine Institution in der Hip Hop-Szene steht vor dem Aus. Aber eine Hoffnung hat Veranstalter Max noch, wie er bei Monaco Breaks erzählt hat.

"Der König ist tot, es lebe der König" - mit dieser Formel wurde in der franzöischen Monarchie der Tod des Königs verkündet und gleichzeitig der neue ausgerufen. Die Abwandlung "Die Tapefabrik ist tot, lang lebe die Tapefabrik" dient als Slogan der letzten Hoffnung für den König der Untergrund-HipHop-Festivals in Deutschland, eben der Tapefabrik. Selbst Münchner Fans pilgerten jahrelang in Bussen ins ferne Hessen um die ersten Aufritte von Morlokk Dilemma, Eloquent oder anderen Underground-Größen in Wiesbaden zu sehen. Jetzt steht das Ende kurz bevor. Wie es dazu kam und was das Event noch retten könnte - Max, einer der Veranstalter im Interview bei Monaco Breaks:

 

Die erste Tapefabrik hatte 300 Besucher, dann wurden es immer mehr, bis ihr dann drei Bühnen mit unzähligen Künstlern hattet. Jetzt nach dem Event habt ihr über die sozialen Medien verkündet, dass ihr Insolvenz anmelden musstet. Was ist passiert?

Ja, natürlich spielen da viele Faktoren mit rein, ich versuche es mal kurz zusammenzufassen. Es ging so los, dass wir dieses Jahr den Plan hatten das Ganze größer zu machen und auszubauen, auch mit zwei ausverkauften Veranstaltungen im Rücken. Die ganze "Misere" ging schon damit los, dass das Programm nicht ganz so gelaufen ist, wie geplant. Wir hatten große und grandiose Headliner geplant mit ein paar Oldschool-Helden, die ganz, ganz kurzfristig abgesagt haben. Dann haben wir panisch versucht diese Slots noch zu füllen, weil die Tickets waren schon verkauft und der Preis stand fest. Und wir haben die dann auch gefüllt und waren auch ganz zufrieden, aber es war eben nicht so richtig perfekt. Das ist, glaube ich, bei den Zuschauern auch angekommen, es war ein relativ hoher Ticketpreis, das Line-Up war geil, aber vielleicht nicht ganz so, wie es für den Ticketpreis sein müsste. In Wiesbaden haben dann schon die ersten Zuschauer gefehlt, das konnten wir noch ausgleichen, aber dann ging's auf Berlin zu. Und wir hatten dort nicht diesen Leuchtturmstatus wie in Wiesbaden und dachten wir müssen dort richtig zeigen, wer wir sind und ein richtig geiles, riesiges Line-Up auffahren. Dann dachten wir, kommen die Leute. Und die Berliner, naja, lassen sich ganz schön bitten, um es mal so zu formulieren und wir waren eben in Berlin nicht so besonders, wie wir uns das vorgestellt haben.

Ist vielleicht die Stadt auch übersättigt oder generell der nördliche Teil Deutschlands?

Naja, zum Einen sind generell Hip Hop-Veranstaltungen in Deutschland eingebrochen, ich könnte jetzt vier, fünf aufzählen, denen es wirklich nicht gut geht, wo es auch sehr traurig ist. Das war erstmal eine allgemeine Entwicklung die uns auch in Berlin eine Klatsche verpasst hat und dann geben eben auch dazu, wie schon gesagt, die Stadt ist übersättigt, aber das wussten wir. Wir hatten vorher mit vielen Veranstaltern gesprochen, aber wir hatten das Gefühl, klar ist gibt's hier viel, aber so besonders wie unser Line-Up ist, gibt's eben nicht so viel. Das Empfinden hatten auch andere, wir hatten ja immerhin 900 Besucher und das ist, glaube ich, für eine Erstveranstaltung mit 40€ Ticketpreis nicht schlecht in Berlin. Uns haben nicht mal viele Besucher gefehlt, aber wenn 300 Besucher fehlen und das Ticket kostet 40€, dann kann man sich das ausrechnen. Und bei solchen Veranstaltungen ist es auch immer so, dass es nicht nur am Ticketpreis hängt. Man verliert Geld beim Catering und beim Essen, das man verkauft. Man verliert Geld beim Merchandise, das gibt es ja auch nur für das Event und so summieren sich dann die Kosten schnell auf. Ja und dann haben wir in Berlin nochmal ein richtig dickes Minus gefahren und dann ist man ja rechtlich sogar gezwungen diese Insolvenz anzumelden, man sagt damit 'Ich habe kein Geld mehr und kann meine Rechnungen nicht mehr zahlen' und das mussten wir machen. 

Am 20. September findet der letzte Rettungsversuch statt. Ist das jetzt - frei nach eurem Slogan - die Beerdigung oder die Auferstehung der Tapefabrik?

Es ist tatsächlich so, dass wir mit nem dicken finanziellen Minus kämpfen, da muss man auch nicht drum herum reden und ich war am Anfang relativ pessimistisch. Die Idee mit dem Benefizkonzert kam auch gar nicht von uns, sondern vom Schlachthof Wiesbaden. Und dann kam aber jetzt wirklich ein Supporter nach dem anderen, der hinter uns steht und das sorgt für eine ganz andere Stimmung. Um das nur mal ganz oberflächlich durchzugehen: Der Schlachthof Wiesbaden, eine der größten und wichtigsten Locations im Rhein-Main-Gebiet kommt und sagt "Hey, nehmt unsere Halle, ihr braucht uns keinen Cent zahlen." Und kurz danach kommen die Künstler und Labels und sagen "Wir treten auf, gar kein Thema, wir wollen das Ding retten." Künstler, die noch nie bei uns gespielt haben, so wie Vega und Bosca oder Credibil sagen "Wir kommen vorbei und spielen, weil das Projekt geil ist." Also wir haben mehr Support als je zuvor und das gibt mir das Gefühl, dass es laufen könnte. Ob wir genug einnehmen wissen wir nicht, werden wir erst am Abend wissen, aber ich bin optimistischer denn je in den letzten Tagen, weil so viele Leute sagen, sie wollen kommen. Und wir bringen jetzt auch eine Vinyl raus und die Künstler, die teilweise sogar bei Major Labels unter Vertrag sind, sagen, nehmt unsere Songs, kein Problem. Ich bin teilweise echt sprachlos, was da an Support kommt.

Am 20. September findet die Tapefabrik im Schlachthof in Wiesbaden statt. Von München werden Busse zum Festival angeboten.

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